Day 11/Tag 11: Lympsham to Burnham-on-Sea

Rampe runter...und in den Sand.
Rampe runter...und in den Sand.

 Nach der Tortur am Tag davor waren unsere Beine sehr müde, doch da der Campingplatz nicht sehr einladend war und wir auf keinen Fall nach Weston zurück wollten, beschlossen wir, dennoch weiterzufahren.

Am Ausgang trafen wir den Besitzer des Campingplatzes und bezahlten ihn, doch zu unserer Freude wollte er nur einen Teil des Geldes – vielleicht sahen wir auch einfach ausgezehrt genug aus.

Als wir uns durch ein Stück Land wieder warmgefahren hatten, kamen wir bei der nächsten Ortschaft an: Brean. Dort fuhren wir an einem riesigen Caravan-Park vorbei, und während sich wieder einmal bestätigte, dass Zelten in Großbritannien anscheinend viel weniger beliebt als Caravanurlaub ist, erregte viel mehr das Schild „Market“ unsere Aufmerksamkeit. Doch wer sich darunter einen kleinen Markt mit regionalen Händlern und Produkten vorstellte, wurde überrascht! Ein Ramschmarkt, wie man ihn sonst nur in touristischen Großstädten zu sehen bekommt. Neben dem südländisch aussehenden Mann, der einem alle Handys, selbst die, die es noch nicht gab, zu unfassbar günstigen Preisen verkaufen konnte, dröhnte Reggaemusik aus den Boxen eines Dunkelhäutigen in jamaikafarbenen Kleidern, der diese auch an seinem Stand verkaufte, und viele weitere Händler.

Schnell, aber amüsiert, verließen wir den Markt wieder und fuhren weiter, doch schon ein paar hundert Meter später hielten wir wieder. Wir hatten ein Post Office in einem Supermarkt entdeckt: Seit Tagen bereits hatten wir uns vorgenommen einige unserer Dinge, von denen wir bemerkt hatten, dass wir sie nicht brauchen würden, zurückzuschicken. Nun war es soweit. In einer spontanen Ausräumaktion auf dem Parkplatz durchforstete jeder seine Taschen nach (Un-)Brauchbarem und wurde sehr bald fündig. Das Paket war gekauft und fast gefüllt. Obwohl sich der Gewichtsunterschied nicht sofort bemerkbar machte, waren wir uns sicher, dass es sich auf die Dauer lohnen würde. Von Tag zu Tag hatten wir gemerkt wie wenig wir eigentlich brauchten, doch man stellt sich ja am Anfang vor, es könnte alles mögliche passieren. So musste beispielsweise die Picknickdecke weichen, die bisher wegen des Wetters in Wales und England nicht ein einziges Mal benutzt worden war. Der horrende Paketpreis schockte uns zuerst etwas, doch Leonies Verhandlungskünste verhalfen uns noch zu einem geradeso annehmbaren Preis.

Wieder ging es weiter, und kurz darauf kamen wir zu der Stelle, auf die wir uns die ganze Zeit gefreut hatten! Laut Karte sollte es viele Kilometer am Strand entlanggehen. Entlangfahren an einem wunderschönen Sandstrand bei Sonnenschein war genau das was wir brauchten – natürlich entlangfahren an der Promenade, so hatten wir uns das vorgestellt. Doch dann kam das Schild, und wir ahnten Böses. Von einer größeren Straße ging es links ab in einen kleinen Pfad, nur wenige Meter steil bergauf – kein Problem, doch er war sandig! Den Hügel unter mühsamer Schieberei überquert blickten wir auf das Meer. Es war mindestens so schön, wie wir uns das vorgestellt hatten, nur den Radweg konnten wir nicht finden. Einzig ein kleines Schild ließ uns ahnen, was bevorstand:

 

Please keep driving on the harder parts near the high tide border! (oder so in etwa)

 

Wir sollten also am Strand fahren, genau – am Strand hieß auch am Strand. Also versuchten wir es. Nach einigen Metern mussten wir kapitulieren und ein 1 ½ stündiger Spaziergang begann. Fahren war unmöglich. Der Sand war fest, zumindest stellenweise, doch das Gewicht unserer Räder war zu groß. Wir sanken ein, es verschlug uns die Räder, ab und an kamen Wasserstellen ... Leonies Begeisterung wuchs in gleichem Maße wie mein Frust: Des einen Freud, des andern Leid – so war das doch. Mit der Zeit konnte auch ich mich an der schönen Aussicht erfreuen, nicht so doch mein linkes Bein, welches immer mehr schmerzte.

Am Ende des Strandes war mir die Lust am Radfahren für den heutigen Tag vergangen, und ich beschloss, nicht mehr weiterfahren zu wollen, und Leonie war auch einverstanden. So erfragten wir einen Campingplatz bei der Post (Touristeninformation war, typisch UK, schon geschlossen) und wurden belohnt. Nach einer 20 minütigen Fahrt kamen wir bei einem Sportplatz an. Die Grünflächen um die Trainingsfelder herum waren zu einem Campingplatz, der von einem Biker geführt wurde, umfunktioniert wurden. So einen günstigen Platz hatten wir noch nie bekommen, und die Lage war auch nicht schlecht, jedenfalls ruhig, und sogar Sanitäranlagen fanden wir vor.

Da unsere Fahrt ein vorzeitiges Ende genommen hatte, hatten wir bisher noch nichts eingekauft. Während Leonie also Wäsche wusch und die Fahrradketten von Schmutz befreite und ölte, ging ich in den nächsten Tesco einkaufen, und der Spaziergang durch die Sonne vertrieb meine schlechte Laune und ich freute mich schon auf gutes Essen und eine weitere Nacht Erholung.

All das sollten wir beide auch bekommen, und ein Tag, an dem uns das National Cycle Network wieder mal mit seiner Routenführung überrascht hatte, war zu Ende gegangen.

 

Our legs were really tired after the torture the day before, but since the campsite was not very inviting and we definitely didn’t want to go into Weston again, we decided to cycle on despite that.

When we exited the campsite we met the owner and wanted to pay for our pitch. To our joy he demanded only part of the normal price – but maybe that was only thanks to our haggard looks.

When we had warmed up cycling through the countryside we eventually arrived at another small village called Brean. We passed by a huge caravan park and it turned out once again that caravanning holiday is obviously more popular than camping holiday in Britain. However, what caught our attention was a sign there saying „Market“. Whoever is thinking of a small market with fresh products and regional merchants now is wrong. It was a rummage sale as you would normally expect it in a touristic metropolis. There was the Mediterranean type of salesman who had all the mobile phones on sale for incredibly cheap prices, even the ones that weren’t on the regular market. There was a salesman in Jamaican clothes, who also sold the latter at his stall and drowned out the surrounding noise with the Reggae music from his speakers. There was... well, there were many of them. We were amused but then quickly left the market again and cycled on.

Only a few hundred metres later we stopped once more as there was a post office. For days we had been thinking about sorting out our baggage and sending some items home of which we had noticed that we would probably not use them. Now was the time to do that! When packing at the beginning you provide for all contingencies but from day to day we had realised how little we actually needed. Spontaneously we both went through our bags on the parking space in front of the post office and in the end we had enough things sorted out to fill a parcel. For example the picnic blanket we had taken with us but hadn’t used a single time thanks to the weather in Wales and England was sorted out. Although our bags didn’t seem to have lost a lot of weight we were sure that the difference would become noticeable in time. The price for the parcel was horrendous and not even Leonie’s bargaining could do much. In the end we just had to take it.

Then we cycled on and soon arrived at the place that we had been looking forward all day: According to our map the cycle route went along the beach for several kilometres. Cycling along the beach with the sun shining sounded awesome to us – cycling along the promenade, of course, was what we expected. But then came the sign and we became wary. We were instructed to turn left into a smaller path that went a few metres steeply uphill. The problem was it was sandy!

When we had overcome that hill, we could see the sea. It was at least as beautiful as we had expected only we couldn’t spot the cycle path. Another little signpost foreshadowed what was about to come:

"Please keep driving on the harder parts near the high tide border!" (or something of the kind)

So we were meant to cycle on the beach – directly on the sandy beach! We tried. A few metres later we surrendered. Cycling was impossible. The sand was firm in some places but in others it wasn’t and our bicycles with all the luggage were much too heavy so that the tyres got stuck again and again. That was the start of a walk that took about one and a half hours. Leonie’s enthusiasm grew as much as my frustration: one’s joy is another one’s sorrow, right? As time went by I could slowly begin to enjoy the beautiful sight, but was hindered by my left leg that had been aching for some time and got a lot worse because of the walking.

When the beach finally ended and we arrived at Burnham-on-Sea I had lost all interest in cycling for that day and didn’t want to go any further. Leonie was okay with that so we went to the post office (tourist information was, as usual for the UK, already closed) to ask whether there was a campsite anywhere near.

After another 20 minutes we arrived at a sports ground. The green areas around the pitches were used as a campsite that was managed by a biker. We had never spent so little on camping fees as we did for that night and there even were showers we could use and everything.

As our trip that day had ended sooner than we had thought we hadn’t done any shopping yet so I went to Tesco whilst Leonie cleaned and oiled our bicycle chains. Walking to the supermarket in the sunshine and looking forward to a good supper and a bit of rest that night improved my mood.

Another day on which the National Cycle Network had surprised us had come to an end.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    ju (Freitag, 25 Juli 2014 08:50)

    Hey der Strand sieht ja wahnsinnig toll aus.
    Ich hoffe, ihr konntet es trotz des Schiebens genießen!


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Armen Begic

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Leonie Hesse

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