Day 13/Tag 13: Taunton

Völlig verdutzt waren wir als wir am nächsten Morgen beim ersten Herausspähen aus dem Zelteingang eine alte Dame den Hügel hoch auf uns zulaufen sahen. Sie kam augenscheinlich vom nächstgelegenen Wohnwagen, der mit Vorzelt, Tisch und Blümchen offensichtlich einen Dauerplatz auf der Campsite innehatte. Wir befürchteten ehrlich gesagt, man würde sich über irgendetwas, das wir getan hatten, beschweren wollen – beispielsweise das Befestigen unserer Wäscheleine an dem alten Traktor? Doch beschämt mussten wir sogleich unseren Irrtum feststellen: Die alte Dame (übrigens noch im Nachthemd) wollte nichts anderes, als uns beide zu sich und ihrem Mann an den Tisch zum Frühstück einladen! Zuerst lehnten wir bescheiden ab und sagten, wir hätten noch Äpfel und Kekse, das sei schon in Ordnung. Doch die resolute Dame bestand darauf („Ich habe so viele Enkel, ich weiß, dass junge Leute ein ordentliches Frühstück brauchen!“).

Schüchtern und immer noch reuevoll trauten wir uns also rüber zu ihnen. Liebevoll vorbereitet lagen schon vier Platzdeckchen bereit. Für uns wurde Tee gekocht, wir bekamen Toast und ich muss sagen, dass mir die bittere englische Orangenmarmelade zum ersten Mal richtig gut geschmeckt hat. Doch aufgetischt bekamen wir nicht nur gutes Essen und Herzlichkeit sondern zudem noch ein wundervolles Gespräch! Die alte Dame entpuppte sich als überschwängliche, mitreißende Geschichtenerzählerin und nach kurzer Zeit wurde auch ihr Gatte warm mit uns und trug Kommentare bei, die seinen trockenen Humor bewiesen und uns mehr als einmal zum Lachen brachten.

So saßen wir schließlich geschlagene zwei Stunden mit den beiden Herrschaften beim Frühstück, erfuhren von ihrer Reise nach Jamaica (inklusive Besuch des Grabes von Bob Marley inmitten von Marihuana-Berauschten), von den Streichen, die ihr Sohn bei den „Welsh Guards“ dem Königshaus gespielt hatte (beispielsweise ein Nacktvideo der Soldaten beim Trainieren als Geburtstagsgeschenk für die Queen Mum), die Gründungsgeschichte der Campsite (auf der die beiden tatsächlich einen Dauerplatz haben)...

Die beiden waren entzückt zu hören, dass wir ein Jahr in Aberystwyth studiert hatten, da der Mann selbst Waliser war und sie lange dort gelebt hatten. Die Dame konnte uns sogar voller Stolz das längste Wort der Welt (den Namen eines walisischen Bahnhofes, der auf „...-gogogoch“ endet ;)) aufsagen!

Als es um die Mittagszeit langsam richtig heiß wurde, mussten wir unsere gemütliche Erzählrunde aufheben, denn die beiden erwarteten noch Besuch von der Verwandtschaft und wir hatten uns vorgenommen, die nahegelegene Stadt Taunton zu besichtigen.

Die Fahrt nach Taunton war seit Aufbruch unsere erste Fahrt mit dem Rad ohne Gepäck und dementsprechend genossen wir sie. Auch das Bummeln durch die sehr belebte Stadt war angenehm trotz der vielen Menschen. Es war eine Art Markt in der Hauptstraße und wir gönnten uns zwei selbstgebackene Muffins. Zu unserer großen Freude und Erleichterung führte die Touristeninformation alle Fahrradkarten, die wir für den Weg bis nach Plymouth noch brauchten! In einer kleinen Seitenstraße fanden wir außerdem ein Café, wo man das Internet nutzen konnte und konnten so mal wieder eMails checken usw. Leider war die Bedienung nicht sehr nett und außerdem die Neuigkeiten in den Mails und der Blick auf das Bankkonto nicht so erfreulich. Doch die Sonne schien, wir hatten die Radkarten gefunden, und so beschlossen wir, uns den Tag nicht verderben zu lassen. Nach einem Einkauf und Rückkehr zum Campingplatz kochten wir uns ein gutes Abendessen und gingen schlafen. Nach diesem einen Tag fühlen wir uns – dank unserer Nachbarn – schon richtig zuhause auf dem Campingplatz.

 

 

Peeping out of our tent for the first time the next morning we were baffled to see an old lady walking up the hill towards us. She obviously came from the nearest caravan that, having an awning, a table and flowers, seemed to have a permanent place on the campsite. We were expecting that she would complain – maybe because of our clothesline, which we had attached to the old tractor? But ashamedly we realised that all the woman (who was still wearing her nightdress by the way) wanted to do was invite us to have breakfast with her and her husband!

Decidedly modest, we said that we still had apples and biscuits and that that would be fine. But the resolute lady insisted („I have so many grandchildren, I do know that young people need a proper breakfast!“).

So we dared to walk over to them, still timid and rueful. Four place mats had been caringly prepared. Tee was cooked for us, we were given toast and I have to admit that it was the first time that I really enjoyed that bitter English orange marmalade. But it was not only good food and heartiness we got but also a wonderful conversation! The old lady turned out to be an exuberant storyteller and after a short time her husband took to us, too, and made us laugh with his dry humour more than once.

So in the end we sat for two hours with them, having breakfast. We heard about their holiday trip to Jamaica (including their visiting Bob Marley’s grave surrounded by marijuana addicts), of the pranks their son in the Welsh Guards had played on the royal family (for example a video of the soldiers training nakedly as birthday present for the Queen Mum), the story of how the campsite was founded (on which they indeed had a permanent place)...

They were delighted to hear that we had spent a year at Aberystwyth since the husband was Welsh himself, so they had lived there for a long time. The woman even proudly recited the longest word in the world (the name of a Welsh train station, ending in „...-gogogoch“ ;))!

Around noon it became really hot and we had to end our cosy circle since they were expecting relatives that day and we wanted to have a look around the nearby town Taunton.

The way to Taunton was the first time since the start of our journey that we cycled without our baggage, so we enjoyed it very much. Strolling around in Taunton was also nice although it was very busy. There was some kind of market in the main street and we had a delicious selfmade cupcake. We found all the cycle maps we needed for the rest of our journey in England (which meant from there to Plymouth) in the Tourist Information, which was a great relief. :) In a side road we found a café where we could use the wifi to check our mail etc. Unfortunately, the waitress was impolite and the news we received by email and the look we had at our bank accounts were not very pleasant. But the sun was shining, we had found the maps we needed to find our way to Plymouth – so we decided to not let all this get us down! We bought some food, returned to the campsite and had a good supper. Thanks to our lovely neighbours we already felt like home on the campsite after this one day.

 

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